Internet-Zugriff und WLAN in Frankreich

05. September 2009

Im Vorfeld haben wir uns informiert, wie man in Frankreich am besten ins Internet kommt. Die Information, dass jeder McD*nalds freies Internet bietet war viel wert, auch dass man in diversen Häfen über netabord.fr online gehen kann, hat uns um einiges weiter gebracht. Übrigens gibt es auch weitere Anbieter wie „Neuf“ oder „FreeWifi“, die häufig vertreten sind.

Problematisch wird’s aber, wenn man, wie ich eben, „allzeit bereit“ sein muss, und im Zweifelsfall schnell online gehen können muss, um evtl. auftretende Probleme mit den Servern in den Griff kriegen zu können. Auch Kunden lassen sich ungern über einen Monat vertrösten, wenn sie ein akutes Problem haben.

McD ist zwar weit gestreut, und eine größere Stadt ist meistens in der Nähe, aber richtig ruhig schlafen kann ich damit nicht. Ausserdem ist es so, dass man bei McD surfen und eMails abrufen kann, aber FTP, SSH, ICQ und weitere Internetdienste sind schlichtweg gesperrt. Sollte ich also wirklich mal Schwierigkeiten bekommen, brauche ich schnell einen SSH-Zugriff, und spätestens dann wird’s kritisch.

„Offene WLANs findet man an jeder Ecke“ ist ein viel benutztes Zitat unter Wohnmobil-Fahrern, aber dieses ist auch schon ein paar Jahre alt. Mittlerweile hat sich wirklich bis in den letzten Winkel herumgesprochen, dass man sein WLAN absichern sollte, und nur noch sehr alte WLAN-Router sind von Haus aus nicht verschlüsselt.

An unserem ersten Tag in Brest sind wir ziemlich lange durch die Strassen gefahren, Anne den Laptop auf dem Schoß, um letztenendes dann doch nichts Gescheites zu finden. Ein offenes WLAN in der Nähe des Oceanopolis bei einer Volvo-Bootwerkstatt mit dem Namen „Default“ reichte kaum soweit heraus, dass man auf dem Parkplatz davor eine gescheite Verbindung zustande bekam, eine externe WLAN-Antenne wäre hier super gewesen. Bei modernen Laptops ist die Antenne aber eingebaut, und man kann nichts anschliessen.

Ein offenes WLAN eines Cafes konnten wir von einer Parkbucht auf der anderen Strassenseite nutzen, aber hier war das Mail-Versenden über Port 25 gesperrt. Logisch eigentlich, zu hoch ist die Gefahr, dass sich Spammer vor die Tür stellen und das offene Netz missbrauchen. Als dann auch noch der Getränkelaster an dem Cafe vorfuhr, war es mit dem WLAN-Empfang völlig vorbei. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich kräftig die Nase voll.

Zusammenfassung also zu französischer Internet-Abdeckung: für mich ne Katastrophe! Weil ich es eigentlich jeden Tag zumindest kurz brauche und nicht jedes Mal zu McD fahren will. Für Urlauber, die alle paar Tage nur mal eMail’s abrufen möchten, und dazu bereit sind, durch die Stadt zu fahren, reicht es völlig aus.

Im Vorfeld habe ich von einem Kollegen, der in Frankreich lebt, erfahren, dass es in Frankreich UMTS-Prepaid Lösungen gibt. Man kauft einen USB-Stick, „La Clé“ genannt, und hat darin 3 Stunden Internet enthalten. Dann kann man bis zu 15 Stunden aufladen. Wir haben es jedoch ein wenig anders gelöst, und ich beschreibe unseren neuen französischen Internet-Zugriff, und wie wir dazu gekommen sind, nun mal im Detail.

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Zunächst sucht man sich einen der vielen SFR-Läden raus. Auf der Webseite www.sfr.fr wurden wir nicht fündig, aber Google findet die Läden zuverlässig in dem man (in unserem Fall) einfach nach „SFR Brest“ sucht. Dann kommt eine Ergebnisliste, aus der sich sogar genauer Standort auf einer Karte und die Öffnungszeiten des Ladens ablesen lassen.

Dort sind wir dann hin, und Anne hat sich vorher viel Mühe gemacht, die passenden Vokabeln rauszusuchen. Ich bin zwar davon ausgegangen, dass man in einem Telekommunikationsgeschäft englisch spricht, aber wir wollten uns zumindest Mühe geben.

Wir waren dann auch schnell dran, und ebenso schnell war klar, was wir wollten. Nach aktuellem Angebot kauft man einen Clé USB Stick für 69 EUR und bekommt dann 40 EUR gutgeschrieben, so dass der Stick effektiv nur 29 EUR kostet. Da sind dann immerhin schon drei Stunden drauf.

Dann kam aber der erste Pferdefuss: Man bekommt die 40 EUR nur zurück, wenn man ein französisches Konto hat, und das fiel bei uns aus. Also hätte der Stick 69 EUR gekostet, Punkt. Nun kam ich ins Spiel, ich hatte bis hierher die Unterhaltung nur verfolgt. Wir betreiben zur Internet-Nutzung im deutschen Netz eine Option Express-Card in einem UMTS-Router. Ich hatte die Lösung vor ein paar Wochen schon einmal beschrieben. Die Express-Card läuft natürlich auch in meinem Laptop direkt, und beides hatte ich mitgebracht.

Der vorsichtige Versuch „May I speak English?“ wurde vom Verkäufer mit einem Augenrollen und einer Redewendung gekontert, die wir etwa wie „Ich wusste es“ oder „Wenn’s denn sein muss“ gedeutet haben. Ich habe ihm die Express-Card gezeigt und er ist losgezogen, um seine Chefin zu fragen. Die hat uns dann relativ schnell in Ihr Büro gebeten, und uns versucht zu erklären, wie das ganze von statten geht. Wir brauchten keine La-Clé Karte, sondern eine normale SFR Prepaid SIM-Karte, die Funktion und das Guthaben war dasselbe, wir brauchten keine Hardware dazu und die Karte kostete alleine nur 30 EUR.

Die Karte heisst „Le Pass Internet 3G+ sans engagement“
(sans engagement = ohne Vertrag)
und kommt in einer Hülle vom Format einer DVD-Verpackung daher. Darin gibt es noch ein kleines Handbuch, wie man sich auf der Webseite registriert, dazu später mehr.

Die SIM-Karte hat sie mir dann gegeben, und sie funktionierte sofort und anstandslos mit der auf meinem Laptop installierten Vodafone Software. Wenn man hier in die Optionen geht, kann man sogar SFR als Netzbetreiber anwählen, ebenso leicht kann man die Software auf französisch umstellen, was der Chefin offenbar gut gefallen hat, als ich sie um spezielle Einstellungen gebeten hatte 🙂

Englisch wollte/konnte sie überhaupt nicht sprechen, und am Ende hat sich Anne noch mal mir einem zurechtgelegten Satz für Ihre ganze Mühe mit der Sprachbarriere bedankt, auch das hat ihr offenbar sehr gut gefallen. Zum Dank hat sie dann noch einen Kollegen herbeigerufen, der englisch spricht (mit französischem Dialekt, furchtbar!), und der mir dann noch einige Fragen zur technischen Handhabung und dem Aufladen des Guthaben beantwortet hat.

Die gewonnenen Erkenntnisse liste ich hier für Interessierte mal auf, denn das ist alles nicht ganz ohne:

  • Die Karte kostet einmalig 30 EUR und wird im Laden sofort aktiviert
  • man muss eigentlich eine (französische) Adresse angeben, die Verkäuferin hat einfach die des Ladens eingetragen.
  • die drei Stunden sind sofort verfügbar, man sollte sie aber nicht komplett aufbrauchen, sonst kann man sein Online-Konto nicht aktivieren. Siehe wie folgt.
  • Aufgeladen wir die Karte über Codes zum freirubbeln, die man wie in Deutschland auch, in Tabak-Shops bekommt
  • Besser gefällt uns allerdings die Lösung mit der Zahlung über Kreditkarten, Rubbelcodes eingeben und Kreditkartenzahlung geht beides geht online auf www.sfr.fr -> Mon compte (Mein Konto)
  • DAZU muss man sich allerdings ERSTMALG auf der Webseite mit seiner Telefonnummer (die Nummer der SFR Datenkarte!) registrieren und einen Login-Code anfordern! Bis man dazu kommt, muss man jedoch ein paar Tage ins Land gehen lassen, wir haben die Karte nun seit dem 1.9. und wir konnten uns bisher immer noch nicht registrieren.
  • Dazu dann Mon compte -> Code personnel oublié (Code verloren oder neu erstellen)
  • Dann muss man die Datenkarte aus dem Rechner entfernen und ein ein Handy stecken, denn den Code bekommt man per SMS zugesandt. Es sei denn, man kann die SMS über die Datensoftware im Rechner empfangen

So, das zur Benutzung, nun sei noch auf die besondere Handhabe mit den Zeitpaketen und der Lebensdauer der Karte hingewiesen:

  • Die Karte ist ein Jahr gültig. Wenn man in dieser Zeit kein Guthaben auflädt, ist das Restguthaben verfallen und die Karte abgelaufen, man muss dann einen neuen kaufen und die ganze Prozedur von vorne anfangen.
  • Die Zeitpakete sind gestaffelt und haben eine begrenzte Lebensdauer:
    • 20 min – gültig 24h – 3 EUR
    • 1h – gültig 15 Tage – 7 EUR
    • 3h – gültig 15 Tage – 16 EUR
    • 8h – gültig 15 Tage – 26 EUR
    • 15h – gültig 1 Monat – 39 EUR (ich denke das wird unser Tarif)
    • Sondertarif: 1 Tag, gültig von jetzt bis Mitternacht – 9 EUR

Das sind stolze Preise, aber wir kommen bisher schon mit unseren drei Stunden gut aus. Wir schreiben unseren eMails offline, bereiten alles vor, gehen dann für eine viertel Stunde online und beschränken uns dann auf reines Seiten-Laden und Datenaustausch. In der Zeit können wir locker alles hoch- und runterladen sowie alle Mails verschicken, die wir vorbereitet haben.

Dafür entfällt die Sucherei nach einem offenen WLAN, Internetcafe, McD oder sonstige Möglichkeit, und ich für meinen Teil weiss nun, dass ich im Notfall sofort am Netz bin. Im städtischen Bereich sogar mit bis zu 7,2 MBit, das ist echt super! Diese Erleichterung und damit verbundene Kopf-Entspannung ist mir ganz klar 39 EUR für das 15 Stundenpaket wert.

Und die Karte werde ich nun, weil die ganze Geschichte nicht ganz einfach war, gerne an Kollegen verleihen, die einen Frankreich-Urlaub planen. Nur Aufladen dürfen sie dann selbst 😉

2 Antworten zu “Internet-Zugriff und WLAN in Frankreich”

  1. Björn sagt:

    Boah, wat kompliziert. Hier (in England) gibt’s z.B. von Three eine SIM-Karte, die kostet 1,99 Euro und ist völlig anonym. Die kann man wie eine ganz normale Prepaid-Karte aufladen, in meinem Fall mit 15 Pfund (etwa 18 Euro) für 3GB Daten, beschränkt auf 4 Wochen (monatsunabhängig).
    Mit englischer Kreditkarte gibt’s noch andere, auch deutlich günstigere Sachen (15 GBP für 5 GB), teilweise sogar inkl. Laptop für 2 Pfund im Monat mehr und Bindung über 24 Monate.

  2. Brummbaer66 sagt:

    England ist dem Kontinent in solchen Dingen immer schon Jahre voraus gewesen. Ich hab von 91 bis 94 fast 4 Jahre in Milton Keynes gelebt, und damals hatte schon fast Hinz und Kunz ein Handy – kein GSM, die kamen Ende 93 / Anfang 94 – aber es gab 91/92 fürs nationale Netz schon Geräte, die kleiner waren als eine Zigarettenschachtel, fast totale Netzabdeckung und die Tarife (mehrere Betreiber) waren erschwinglich. Auf dem Kontinent gabs, wenn überhaupt, riesige Knochen mit denen man wen erschlagen konnte, Netz gabs. Hmmm, von der Post, glaub ich, wenn mans sich leisten konnte.