Vorgeschichte

Alles begann in 2003 mit der Besichtigung eines Mercedes OP311, eines ehemaligen Salamander-Verkaufsfahrzeuges im Norden kurz hinter Hamburg.

OP311 hinter Hamburg, damit fing alles an

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OP311 hinter Hamburg, damit fing alles an.

Das Ding fiel aber vor Rost schon auseinander, und das erstbeste Auto wollte ich nun auch nicht kaufen. Nach einigem hin und her wurde dann etwas später bei Bonn ein Mercedes „Düdo“ 508 gekauft, mit dem ist mein Papa damals auch angefangen seine Blumen zu fahren. An dem musste ich erstmal viel schrauben aber ich lernte auch immens viel, aber immerhin war dieses Wohnmobil schon fertig ausgebaut und ich konnte nach den Reparaturen sofort losfahren.

Düdo 508

Schnell war klar, Wohnmobil ist genau mein Ding! Auch wenn diese Art des mobilen Lebens xfach teurer ist als in einem Wohnwagen oder Zelt, es gibt hier Vorteile die einfach anders nicht wett zu machen sind. Allem voran ist es einfach so dass man im Urlaub ist wenn man die Tür nach dem Einsteigen hinter sich zugezogen hat, und nicht wenn man am Zielort war wie zum Beispiel mit dem Wohnwagen. Schnell war aber auch klar, dass der Düdo zu klein ist für längere und vor allem autake Reisen. Also musste ein größeres Auto her.
Ein Anruf bei Mercedes Dreyer in Alfeld (www.classic-truck.de) und daraus resultierendes längeres Gespräch mit einem Mitarbeiter richtete mein Interesse auf einen O302 Omnibus. Der ist noch relativ neu (im Vergleich zu anderen, wirklichen Oldtimern) und alltagstauglich. Die Suche im Web nach diesem Fahrzeug brachte mich auf die Webseite von Stefan Bauer und schnell war klar dass es ein solches Fahrzeug sein sollte, die Vorteile die sich verbanden lagen auf der Hand. Dann im Netz umgeschaut und nach einigem Suchen einen entsprechenden Bus in der Nähe von Kassel gefunden.

Mit noch relativ wenig theoretischem und praktischen Wissen, aber einen (scheinbar) fähigen Schrauber als Begleitung wurde der Bus besichtigt und direkt gekauft. „Ist doch alles kein Problem, die Verplankung an der Seite machst Du schnell neu drauf, ist doch alles nur gerades Blech“.

O302 aus Kassel
Sieht nicht schlecht aus? Na dann schaut mal drunter… 🙁

Na dankeschön, es hat ein wenig gedauert bis ich diese Blauäugigkeit und Euphorie überwunden hatte. Immerhin hats aber noch gereicht um mich beim ersten Wohnmobil-Treffen, bei welchem ich von einem langen Wochenende für einen Tag den Bus mithatte, gründlich zu blamieren, indem ich schon nach Zierleisten fragte aber mit einem völlig verrottetem Bus auf dem Hof stand. War ja alles kein Problem, die Verplankung ist schnell getauscht, dann sieht er wieder aus wie neu.

Nach der Ernüchterung einige Wochen später war schnell klar: 1. ist die Ersatzteilesituation überhaupt nicht rosig und 2. taugt dieser Bus zum schlachten und für nichts weiter.

Also wurde 2004 nach etwas längerem Suchen ein weiterer Bus in Saarbrücken gekauft und der erste als Teileträger verwahrt. Das Ganze nicht mehr ganz so blauäuigig und mit durchaus zu bewältigenden Arbeiten, aber immer noch viel dran zu tun. Vor allem aber unverbastelt, das war eines meiner Hauptaugemerke! Bisher habe ich aber kaum einen besseren Bus als diesen gesehen, zumindest von denen die so im Netz angeboten wurden. Die, die schon unterwegs waren oder sind sahen in der Regel besser aus, aber die wurden natürlich auch nicht verkauft 🙂

Der zweite O302. Es sind immer noch beide in meinem Besitz!

Ungefähr zwei Jahre später hatte ich es immerhin geschafft, eine Halle mit richtig genialen Möglichkeiten zu mieten, den Bus dort aufzubocken und die Räder zu demontieren, große Felgen und Reifen zu organisieren und einen neuen Auspuff anfertigen zu lassen. Ausserdem hatte ich mir beim Stöbern im Netz und auf Treffen eine gehörige Portion von theoretischem Wissen zusammengesammelt.

Noch nicht viel weitergekommen
Noch nicht viel weitergekommen…

Allerdings hab ich auch schnell gemerkt dass es enorm demotiviert, wenn man sich seine Ziele zu hoch setzt. Busbekannte hatten das Konzept „wir fahren nicht eher los bis die letzte Schraube sitzt“, das habe ich mir angenommen, und das hat mich derart ausgebremst dass es nichts werden konnte. Dafür war kein Ende in Sicht, denn bevor der Ausbau anfangen konnte musste erstmal die Karosserie wieder gescheit hergerichtet werden. Anfang 2007 versuchte ich mein Konzept umzustellen und den Bus zumindest erstmal soweit herzurichten dass ich losfahren könnte, und da so ein Bus vorzugsweise untenherum rostet hätte der Ausbau beginnen können ohne die Karosseriearbeiten zu behindern.

Ist aber auch nix geworden, ich habs einfach nicht hinbekommen mal regelmäßig in die Halle zum schrauben zu fahren. Also eine weitere Ernüchterung.

Schliesslich boten sich einige zusammenhängende Gelegenheiten: Als erstes kam es so, dass Hans-Jörg (Flause) sein Auto verkaufen wollte, ein Mercedes 814 mit Sparkassenaufbau der Firma Hartmann. Die Besichtigung ergab aber dass das Auto nicht meinen Vorstellungen entspricht. Ich kannte es zwar gut, hab es aber nie unter dem Gesichtspunkt betrachtet, dass ich es einmal kaufen könnte. Die technischen Einbauten waren nicht zum Wohnen geeignet und es hätte noch viel getan werden müssen.

Dann überschlugen sich die Ereignisse: Dani aus dem Allgäu interessierte sich für meinen Düdo den ich ja immer noch hatte und damit die ganze Zeit rumgefahren bin, und sie hatte in etwa das Geld geboten was ich mir vorgestellt hatte. Als nächstes wurde mir klar, dass wenn ich das und das und das verkaufe und noch an meine Reserven ginge, das Geld zusammen kommen würde was ich brauchte, um das Auto von Hennes zu kaufen.
Ebenfalls eine 814 Sparkasse, etwas kürzer als die von Flause, aber auch leichter, und vor allem erst vor eineinhalb Jahren mit ausschliesslich neuem Ausbaumaterial ausgebaut. Dazu war das Auto auf Leben ausgelegt und nicht auf Urlaub, Hennes hatte mit seiner Frau bereits einige Zeit darin gewohnt.

Der sollte es sein
Der sollte es sein!

Schnell wurde klar, das könnte es sein, die Lösung von allem. Wohnung aufgeben, alles einlagern, Miete sparen und in dem 814 wohnen. Die Top-Isolierung dieses Fahrzeuges sichert das Überwintern unterwegs, und im Notfall hätte ich immer noch meine beheizte Halle. Und ein 814 war bis dahin ein nicht zu erreichender Traum. Nicht zu erreichen weil viel zu neu und deswegen viel zu teuer, und ein Traum weil ich auf diesem Fahrzeug LKW-Fahren gelernt hatte damit und sozusagen groß geworden bin. Nun nun wäre dieser Traum möglich!

Gesagt getan, endlich mal eine Entscheidung mit Folgen treffen, das Leben muss mal weitergehen.

Was folgte war der Verkauf des Düdo, der Kauf des 814, die Kündigung des Mietvertrages und die Umrüstung meines festen Lebens auf ein mobiles. Das ganze geht in groben Zügen sehr einfach wenn man mit Laptop und UMTS von unterwegs arbeiten kann, eine Meldeadresse hat zu der auch die Post kommen kann (meine Eltern) und seine Sachen und Bedürfnisse so einschränken kann dass man in kleinen Mengen alles was man braucht mit sich führt, aber mehr eben nicht.

In der Halle wo mein Bus steht hab ich auch einen Lagerraum bekommen, was mir sehr entgegen kam, denn so konnte ich das was ich während meines Wohnmobillebens nicht brauchte griffbereit einlagern, auch einiges an Werkzeug und EDV-Waren aus meinem vorherigen Leben mit Büro und Mitarbeitern und vor allem Sachen die man in einem evtl. späterem Leben in einer Wohnung wieder brauchte.

Nun konnte es also losgehen, und zum Ende Juli 2007 lief der Mietvertrag aus, das Auto wurde reisefertig gemacht, und da beginnt auch dieser Blog.

Viel Spass damit 🙂

Update:
Seit März 2008 wohne ich mit Anne zusammen in einer kleinen Wohnung in Aachen. Seit Feburar 2009 haben wir eine neues Projekt, wir haben den O302 verkauft und uns einen alten Bücherbus „in die Halle gestellt“. Der Ausbau läuft, wer sich interessiert kann den Fortschritt hier nachlesen: http://www.o307.de/

In diesem Blog schreiben wir weiterhin neue Beiträge, wenn wir mit dem Wohnmobil unterwegs sind. Wenn der Bus fertig ist, ziehen wir dort ein, und dann geht’s natürlich wieder mit Alltagsberichten aus dem wohnmobilen Leben weiter!